Es ist Montagmorgen 5.30 Uhr. Gerade habe ich Chris, meinen letzten von insgesamt sechs Reisegästen, nach der 9-tägigen Trekkingtour durch den Øvre Dividal Nationalpark am Flughafen Bardufoss abgesetzt. Vor mir liegen jetzt 2700 Straßenkilometer bis ich die Tür zu Hause in Magdeburg aufschließen und meine wunderbare Frau in die Arme nehmen kann.

Ich steige ins Auto und bin seit zehn Tagen das erste Mal ganz alleine. Nur ich und meine Gedanken. In diesem Moment weicht die Anspannung und ein überwältigendes Gefühl der Freude überkommt mich. Auf den ersten Kilometern in Richtung Süden lasse ich die Trekkingtour der letzten Tage Revue passieren und erwische mich dabei, wie sich des öfteren ein Lächeln über mein Gesicht ausbreitet. Mir wird klar, dass ich gerade meine erste Tour mit sechs Gästen erfolgreich beendet habe.

Es fühlt sich absolut großartig an, wenn ich an die Augenblicke zurückdenke, in denen wir uns der Weite dieser Landschaft hingaben und ich mich an das Lächeln im Gesicht meiner Gäste, beim Blick in die Ferne, zurückerinnere. Es gab Momente in denen jeder in sich kehrte und diese einmalige Landschaft für sich selbst genoss. Doch auch als Gruppe blieben wir gemeinsam auf Anhöhen stehen und starrten ohne Worte einige Zeit in die weiten Täler des Øvre Dividal Nationalparks.

 

Zu sehen wie aus sieben Menschen, die sich kaum kannten innerhalb kürzester Zeit ein Team zusammenwuchs, erfüllte mich Freude. Keine Schokolade wurde alleine gegessen. Zwei Flachmänner gefüllt mit Rum und Nusslikör befeuchteten die Gaumen der gesamten Mannschaft. Jeder bot dem Anderen von seinem Essen an. Ob es daran lag, dass das Experiment mit der gefriergetrockneten Trekkingnahrung nicht bei jedem geglückt war oder jeder am nächsten Tag mit möglichst wenig Gewicht im Rucksack weiter wollte, bleibt ein Geheimnis.

Mir kommt das Bild in den Kopf, wie wir gerade die Wanderschuhe für eine Flussüberquerung auszogen und plötzlich dicke Regentropfen auf uns niederfielen. Nach dem Fluss hatten wir nicht nur kalte und nasse Füße, sondern waren am ganzen Körper komplett durchnässt. Daraufhin bauten wir das Gruppenzelt auf, schlürften eine warme Suppe und warteten darauf, dass die Regenwolken vorbeizogen. Der Vorteil von wechselhaften Wetter mit Sonne und Regen sind die wunderschönen und kräftigen Regenbögen, die gefühlt neben uns aus dem Boden sprossen und einige hundert Meter weiter sich im selbigen verloren.

Aus weiter Entfernung erblickten wir einen Bergsee, in dem ein schmaler aber hoher Wasserfall mündete. In diesem Moment war mit Sicherheit nicht nur mir klar, dass dieser See unsere erste Gelegenheit werden sollte über dem Polarkreis ein frisches Bad zu nehmen. Wir verließen die markierte Route nur wenige hundert Meter, legten am Ufer des Sees unsere Rucksäcke ab, zogen die Klamotten aus und sprangen ins kühle Nass.

Ja und dann gab es noch die Mücken. Ich denke niemand von uns wird sie vermissen, aber der Natur nahe zu sein, bedeutet mit diesen Plagegeistern umzugehen.

Während ich die Straße und wolkenverhangenen Berge neben der Straße im Blick habe, denke ich an die oft anstrengenden letzten Kilometer einer Tagesetappe zurück und sehe die Freude über das Erblicken der Wanderhütten am Ende der Etappen. Mit der Ankunft auf den Hütten etablierte sich ein eingespieltes Prozedere: Betten beziehen, ins Hüttenbuch einschreiben und schnellstmöglich den Ofen anfeuern. Eine Stunde später, als das Raumthermometer die 31°C kratzte gab es kaum genug Fenster, die geöffnet werden konnten. Wenn der Ofen einmal heiß ist, dann gibt es kein Zurück mehr. Nach den anstrengenden Kilometern an der frischen Luft, der wohligen Wärme in den Hütten und dem üppigen Abendessen ließ die Müdigkeit nicht lange auf sich warten und alle verschwanden in ihren Schlafsäcken.

Nach insgesamt 96 Kilometern auf 7 Tagesetappen, einem Ruhetag, sechs  Nächten in fünf Wanderhütten und zwei Zeltübernachtungen an wunderschönen Plätzen, erreichten wir unser Ziel, die Huskyfarm Innset.

Rückblickend war es ein wirklich besonderer Moment gemeinsam als Team nach neun Tagen in der Wildnis auf der Huskyfarm Innset einzukehren. Bei wärmenden Sonnenstrahlen und dem Anblick von 80 Huskys schmeckte das kalte Bier besonders gut. Die erste warme Dusche nach neun Tagen und das anschließende Grillen haben wir uns wohl verdient.

Mit großer Zufriedenheit und voller Vorfreude auf weitere Touren im nächsten Jahr genieße ich die verbleibenden 2500 Kilometer auf dem Weg nach Hause und denke dabei noch oft an unsere Erlebnisse im Nationalpark zurück.

Liebes Team, es war mir eine große Freude mit euch gemeinsam die erste Wirvondraussen Tour durch den Øvre Dividal Nationalpark gemacht zu haben. Trotz guter Vorbereitung war es für jeden von euch ein Sprung ins kalte Wasser. Ihr habt das Abenteuer wunderbar angenommen und euren Teil dazu beigetragen, dass wir als ein Team unser Ziel zufrieden und glücklich erreicht haben. Ich bedanke mich von ganzem Herzen bei euch für euer Vertrauen und eure Offenheit.

Mit euch würde ich jederzeit wieder auf Tour gehen.

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