Ein Leben mit den Hunden

Ein Reisebericht von Cecilie Eckert

Anfang September ist es soweit: Ich fliege von Berlin nach Harstad/Nordnorwegen und fahre weiter mit dem Bus nach Sortland. Dort werde ich abgeholt und für mich es geht zum Arbeiten direkt zu einer Husky Farm auf der Insel Andøya.
Meine Ersten Stunden dort bestehen aus dem Kennenlernen der anderen Mitarbeiter und Hunde.
26 Vierbeiner gibt es hier. Namen und Zwingerzusammenstellungen rauschen an mir vorbei und ich sehe große Hunde, kleine Hunde, kräftige und weniger kräftige Hunde. Jeder hat seinen Platz zum Essen, es gibt eine Reihenfolge wer im Zwinger als erstes sein Futter bekommt. Ich sehe, dass es in jedem Zwinger vier oder fünf Hütten gibt. Sie sind isoliert und mit Holzspäne innen ausgefüllt. Die Hunde nehmen es dankend an.

Ich habe großen Respekt vor den Tieren. Mit so vielen Hunden auf einmal hatte ich noch nie in meinem Leben gearbeitet. Hier auf Husky- Andøy sind vier bis fünf Hunde in einem Zwinger und können in diesem frei herum laufen. Angeleint werden sie nur, wenn sie gefüttert werden oder es auf Tour geht. Wenn ich in die Zwinger zum Anleinen gehe, kommen mir vier oder fünf fellige Gesellen fröhlich entgegen. Allerdings dürfen vier Hunde, aus verschiedenen Gründen, auch im Haus leben.

Die Angst, sich wochenlang keine Namen, Plätze und Essgewohnheiten zu merken, verfliegt in den nächsten Tagen zum Glück schnell. Die Charaktere und Gewohnheiten der Tiere sind so unterschiedlich, dass es mir leicht fällt sie bald zu unterscheiden. Kuba bringt uns jedes Mal ein Geschenk, wenn wir zum Zwinger kommen. Sei es noch so klein, wie bspw. ein Blatt, er hat immer etwas im Maul. Paul hat einen verkürzten Unterkiefer und so müssen wir ihm jedes Mal nach dem Füttern die Zähne putzen. Sissi und Franz sehe ich nie dreckig. Wenn es draußen regnet und der Boden matschig wird gehen sie halt einfach nicht aus ihrer Hütte, denn sie würden sich ja sonst schmutzig machen. Und so lerne ich immer mehr Gewohnheiten über jedes einzelne Tier. Selbst die Essgewohnheiten sind sehr unterschiedlich. Einer pickt das Trockenfutter fein säuberlich aus dem Napf und isst nur das Fleisch, ein anderer isst alles mit einem Happs auf. Jeder ist anders.

Jeden Morgen werde ich von Hundegeheul geweckt. Anfangs war brauchte ich meine Zeit zum Gewöhnen, aber nach einigen Tagen gehört es für mich zum Morgen dazu.

Unser „Alltag“ beginnt um 07:30. Wir gehen mit den Hunden, die im Haus leben, eine Runde am Wasser entlang.

Danach wird das Futter für die Tiere vorbereitet. Wir stehen in der Hundeküche und füllen Fleisch und getrocknetes Grünzeug in die Näpfe: Hier bekommt jeder Hund seinen Napf. 26 Näpfe müssen nun verteilt und wieder eingesammelt werden. Kurz nach dem Füttern beginnt die Gruppe zu heulen.  Jeden mal, es ist als würden sie Danke sagen. Auch abends wird Essen für die Tiere vorbereitet. In schönster landschaftlicher Umgebung füttern wir die Hunde.

Weitere Aufgaben sind für uns das Trainieren der Hunde bis der Schnee kommt und die Wintersaison mit vielen Gästen beginnt. Trainiert wird mit dem Hundewagen oder einzeln vor dem Dogscooter.
Wir üben mit den Hunden die Kommandos (links, rechts, stopp usw.), damit diese fest in ihren Köpfen sitzen, wenn wir mit Gästen auf Tour gehen.

Für die erste Fahrt mit dem Dogscooter suche ich mir extra einen Hunde aus, der nicht so sehr zieht, da ich großen Respekt davor haben mit einem Roller und einem Hund davor auf der Straße zu fahren. Allerdings will er wirklich nicht ziehen an diesem Tag und trainiert eher mich, als ich ihn. Unsere Tour führt uns einige Kilometer die Straße entlang, danach gehen wir wandern und fahren wieder zurück. Total fertig komme ich an unserem Treffpunkt an. Der Hunde Socke trappelt fröhlich neben mir. Nur nicht vor mir. Allerdings scheint ihn auf der Rücktour das heimische Sofa zu rufen, denn jetzt wird doch etwas mehr gezogen – so lange es nicht bergauf geht.

An anderen Tagen trainiere ich mit verschiedenen Hunden. Teilweise werde ich in Windeseile über die Straße gezogen. Eine große Herausforderung ist für mich der kleine Nelson. Mit seinen 1,5 Jahren war es noch nie vor einen Dgscooter gespannt auf der Straße und er hat große Angst, die Aufregung ist riesig. Er bellt und zappelt bis zur Abfahrt. Zwischendurch muss ich anhalten, da er viel zu schnell ist in seiner Aufregung. Ich muss oft mit ihm üben, bis er gelernt hat was auf ihn zukommt. An den weiteren Trainingstagen mit ihm holen wir immer seinen Hundepapa dazu, so kann er sich von ihm einiges abgucken.

Die Kommandos üben wir mit den Hunden auf beim gemeinsamen Wandern. Allerdings ist das Wandern mit den Tieren anstrengender als gedacht. Jeder hat hier seine eigene Definition vom Tempo. Um auf den Berg zu kommen ist das sehr gut. Allerdings eine große Herausforderung mit einem Junghund herunter zu wandern. Aber auch die Hunde lieben das Wandern und genießen wie wir immer wieder die Aussicht auf das Meer und die Berge. Die Aussicht vom Gipfel ist jedes Mal berauschend und so können sich selbst oft nicht mal die Hunde los reißen und lassen sich kaum dazu bewegen wieder nach Hause zu gehen. Obwohl doch eigentlich das Abendbrot dort auf sie wartet.

Im Februar bin ich ein zweites Mal auf der Huskyfarm auf der Nordnorwegischen Andøya. Allerdings, ist es sehr kalt. So kalt, dass kaum Schnee fällt und die Straßen vereist sind. In den Bergen hinter dem Haus können wir mit den Schneeschuhen wandern gehen. Touren mit den Hunden werden auf dem Hundewagen angeboten, da der Schnee inzwischen hart gefroren ist. Die Fahrt mit dem Hundewagen ist ein einmaliges Erlebnis. Ich fahre einige Male mit, um die Strecke zu kennen, bevor es für mich ans Arbeiten geht.

Kurz bevor die Gäste an den Tagen kommen, bereiten wir alles vor. Auf dem Feld wird der Hundewagen bereitgestellt. Wir holen Geschirre und Booties für die Pfoten der Hunde. Wasser, in dem das Fleisch gekocht wird, wird abgefüllt. Da es viel Fett enthält, bekommen die Hunde vor der Tour einen Napf gefüllt. Spätestens wenn wir die Geschirre aus der Hundeküche holen, wissen die Hunde, dass es auf Tour geht. Plötzlich beginnt die große Aufregung und lautes freudiges Gebell ertönt von allen Seiten. Anfangs ist es für mich schwierig in die Zwinger zu gehen um die Hunde an zu leinen, denn die Freude ist riesig. Alle rennen auf uns zu und wir werden freudig angesprungen. Jeder will auf die Tour mit kommen. Aus diesem Grund müssen wir sie auch anleinen. Wir holen danach 10 – 14 Hunde einzeln aus den Zwingern. Da aber jeder mit kommen will, würden alle freudig aus der Tür rennen. Für mich ist es zunächst schwierig, die aufgeweckten Hunde mit einer Hand fest zu halten und zum Feld zu bringen. Auf dem Feld leinen wir sie an. Hier bekommen sie ihre Geschirre und die Hunde mit empfindlichen Pfoten Hundebooties (Dogbooties) angezogen. Langsam beruhigen sie sich wieder und warten meist geduldig auf den Start. Allerdings wächst auch hier die Aufregung wieder schnell, denn nachdem alle Hunde ihre Geschirre und einen Napf voll Wasser bekommen haben, werden die Leithunde vor den Wagen gespannt. Das laute Gebell beginnt, die Aufregung steigt. Jeder will sofort los und natürlich hat jeder Angst nicht mitgenommen zu werden.  Sehr imponierend ist für mich, die Reaktion nach dem Kommando zum Laufen. Laut bellend wird fröhlich los gerannt. Aber nach 50 Metern kehrt plötzlich Stille ein. Nur das Rascheln der Pfoten auf der Straße ist zu hören. Die Hunde rennen konzentriert den Leithunden hinterher.

Unsere Arbeit als Helfer ist nun, im Auto hinter dem Hundewagen hinterher zu fahren, auch wenn die Straße kaum befahren ist. Da der Hundewagen schwerer als ein Schlitten ist, gibt es unterwegs kleine Pausen für die Hunde. Hier bekommen sie Wasser und wir überprüfen die Pfoten. Die Fellnasen kühlen sich im harten Schnee am Straßenrand ab.

Es ist ein wunderbares Erlebnis mit Hunden arbeiten zu dürfen. Nach langer Zeit werden sie zu Freunden und wachsen einem immer mehr ans Herz. Es ist schwer sie wieder verlassen zu müssen.

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